Babys behalten Details im Schlaf

Wenn Kleinkinder schlafen, festigt ihr Gehirn auch Einzelheiten, ohne sie zu verallgemeinern

6. April 2020

Im Schlaf durchspielt das Gehirn zuvor Erlebtes, festigt neue Ged?chtnisinhalte und fasst ?hnliche Erfahrungen zu allgemeinerem Wissen zusammen. Das gilt bereits für Babys. Anders als bislang vermutet, k?nnen sie dabei mehr als nur das Gelernte verallgemeinern. Eine aktuelle Studie zeigt: Das Gehirn von Babys festigt im Schlaf auch die Details einzelner Erlebnisse und schützt sie vor einer Verallgemeinerung. Die Studie liefert damit den ersten Nachweis, dass der Schlaf bei Kleinkindern auch für das sogenannte episodische Ged?chtnis von Bedeutung ist. Das Ph?nomen der frühkindlichen Amnesie k?nnte damit in ein neues Licht gerückt werden.

Babys beim Schlafen auch ihr episodisches Ged?chtnis aufbauen. So k?nnen sie sich nach dem Schlaf an die Details einzelner Erlebnisse erinnern.

Das Gehirn ist st?ndig neuen Eindrücken ausgesetzt. Selbst beim Schlafen gibt es keine Ruhe und verarbeitet das zuvor Gelernte. Bislang war man davon ausgegangen, dass in der sehr frühen Kindheit der Schlaf vor allem das semantische Ged?chtnis f?rdert. Das enth?lt allgemeines Wissen wie die Bedeutung von W?rtern. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) Leipzig und der Humboldt-Universit?t (HU) Berlin haben nun gemeinsam mit Forschern aus Lübeck und Tübingen erstmals in einer Studie in Nature Communications gezeigt, dass Babys beim Schlafen auch ihr episodisches Ged?chtnis aufbauen. So k?nnen sie sich nach dem Schlaf an die Details einzelner Erlebnisse erinnern.

Untersucht haben die Wissenschaftler diesen Zusammenhang mithilfe einer dreiphasigen Studie. In der Lernphase bekamen die 14 bis 17 Monate alten Kinder Bilder von Objekten zu sehen, deren Namen sie bereits kannten, also etwa verschiedene Autos, B?lle oder Hunde. Zu jeder Abbildung h?rten sie die jeweils passende Benennung. Die folgenden ein bis zwei Stunden verbrachte eine Gruppe der Kinder schlafend, eine zweite blieb wach. In der anschlie?enden Testphase zeigten die Forscher den kleinen Teilnehmern  noch einmal verschiedene Bilder, sowohl solche, die sie schon in der Lernphase gesehen hatten, als auch neue Autos, B?lle und Hunde. Jedes Objekt wurde einmal richtig und einmal falsch benannt. über die gesamte Untersuchung hinweg zeichneten die Forscher die Gehirnaktivit?t der Babys mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) auf.

Die Analyse der EEG-Aktivit?t machte deutlich: Das Gehirn der Kinder, die geschlafen hatten, reagierte im Ged?chtnistest anders als das der wach gebliebenen – jedoch nur in bestimmten F?llen. Pr?sentierten die Forscher den Kleinen einen Ball, den sie vorher noch nicht gesehen hatten, und bezeichneten ihn als Auto, unterschieden sich die Hirnreaktionen nicht. Bei beiden Gruppen erschien die sogenannte N400-Komponente, die auftritt, wenn das Gehirn unpassende Bedeutungen verarbeitet. Die Kinder wissen demnach gleicherma?en, dass ein Ball kein Auto ist.

In der Lernphase bekamen die 14 bis 17 Monate alten Kinder Bilder von Objekten zu sehen, deren Namen sie bereits kannten, also etwa verschiedene Autos, B?lle oder Hunde. Zu jeder Abbildung h?rten sie die jeweils passende Benennung. Die folgenden ein bis zwei Stunden verbrachte eine Gruppe der Kinder schlafend, eine zweite blieb wach. In der anschlie?enden Testphase zeigten die Forscher den kleinen Teilnehmern ?noch einmal verschiedene Bilder, sowohl solche, die sie schon in der Lernphase gesehen hatten, als auch neue Autos, B?lle und Hunde. Jedes Objekt wurde einmal richtig und einmal falsch benannt.

Anders jedoch, wenn die Kleinen einen Ball aus der Lernphase zu sehen bekamen und der als Auto bezeichnet wurde. Die Wachgruppe zeigte erneut die N400-Komponente, die Schlafgruppe dagegen nicht. Bei den ausgeschlafenen Kindern beobachteten die Forscher dafür eine Hirnreaktion, die ausgel?st wurde, wenn ein Ball aus der Lernphase wieder korrekt als solcher benannt wurde. Die Reaktion trat jedoch nicht auf, wenn ein neuer Ball als ?Ball“ bezeichnet wurde. Die Forscher schlussfolgerten: Nach dem Schlaf hatten die Kleinen die vorher erlebten Objekt-Wort-Paare nicht mehr als Benennung einer Bedeutung verstanden. Vielmehr erkannten sie die Zuordnungen als individuelle Episoden wieder. Bild und Wort waren demnach zu einem einheitlichen Ereignis im Ged?chtnis verschmolzen.

?Die Ergebnisse zeigen, dass der Schlaf dem frühkindlichen Gehirn nicht nur erm?glicht, individuelle Erlebnisse zu verallgemeinern. Das Schlafen hilft  auch, individuelle Erlebnisse im Detail zu bewahren und von bestehendem allgemeinen Wissen abzugrenzen.“, erkl?rt Erstautorin Manuela Friedrich, Wissenschaftlerin am MPI CBS und an der HU Berlin. Sie vermutet weiter: ?Dadurch, dass eine wiedererkannte Objekt-Wort-Episode nicht als Benennung von allgemeinem Wissen verstanden wird, k?nnen ihre Details vor einer Vermischung mit bestehendem Ged?chtnis geschützt werden.“

Interessant sind die Ergebnisse auch im Zusammenhang mit der sogenannten frühkindlichen Amnesie, also dem Ph?nomen, sich an die eigenen frühkindlichen Erlebnisse nicht mehr erinnern zu k?nnen. So wurde vielfach vermutet, dass Kleinkinder noch nicht f?hig sind, l?ngerfristiges episodisches Wissen zu bilden. Die aktuellen Erkenntnisse machen jedoch deutlich, auch Kleinkinder k?nnen Erlebnisse im Detail behalten. Und der Schlaf tr?gt ma?geblich dazu bei.

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