Das Ombudswesen an den Max-Planck-Instituten

Zusammen mit den ?Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ hat der Senat der MPG im Jahr 2000 beschlossen, dass es an jedem Max-Planck-Institut eine Ombudsperson geben soll, ferner jeweils eine Ombudsperson für die drei wissenschaftlichen Sektionen.

Das Ombudswesen erfüllt eine essenzielle Funktion der wissenschaftlichen Selbstkontrolle in Hinsicht auf Integrit?t und gute wissenschaftliche Praxis, indem für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an jedem Institut die M?glichkeit zur vertraulichen Beratung in Konfliktf?llen besteht, die Fragen der guten wissenschaftlichen Praxis berühren. Die Einrichtung des Ombudswesens zielt auf zwei Aspekte: 1. auf die Implementierung der ?Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ und damit eine prophylaktische Wirkung, um wissenschaftlich-systematischen Unregelm??igkeiten vorzubeugen und wissenschaftlichem Nachwuchs Sicherheit im Umgang mit den Regeln zu vermitteln; 2. auf die wissenschaftliche Selbstkontrolle und gegebenenfalls die Aufdeckung von Regelverst??en.

Dazu hat die Max-Planck-Gesellschaft bewusst den Weg der wissenschaftlichen Selbstkontrolle beschritten. Moderne Wissenschaft ist hochdifferenziert, hochkooperativ und zugleich hochkompetitiv. Die Verst?ndigung auf Regeln ist daher unerl?sslich, ebenso wie die Kontrolle ihrer Einhaltung. Daran haben vor allem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst ein vitales Interesse.

Beratung in Konfliktf?llen

Zur Beratung in Konfliktf?llen in Fragen guter wissenschaftlicher Praxis verfügt jedes Max-Planck-Institut und jede Forschungseinrichtung der Max-Planck-Gesellschaft über eine neutrale und qualifizierte Ombudsperson. Darüber hinaus sorgen die Ombudspersonen der drei Sektionen des Wissenschaftlichen Rats für die Einhaltung der Grunds?tze guter wissenschaftlicher Praxis. Ihre Aufgabe ist es vor allem, allgemeine Entwicklungen zu beobachten und grunds?tzliche Problembereiche zu identifizieren. Sie berichten einmal im Jahr dem Pr?sidenten der Max-Planck-Gesellschaft in anonymisierter Form über ihre Arbeit.

Ombudspersonen - gew?hlte Vertrauensleute

Ombudspersonen werden von allen wissenschaftlich arbeitenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eines Max-Planck-Instituts für jeweils drei Jahre gew?hlt. Die Gespr?che, die sie führen, sind vertraulich, sofern eine L?sung eines Konflikts an einem Institut m?glich ist und gelingt.

Die Ombudspersonen der Institute sind in Hinsicht auf die zun?chst vertraulichen Gespr?che, die sie im Rahmen ihrer T?tigkeit führen, nicht berichtspflichtig. Die Ombudspersonen der Sektionen fertigen jedoch einen j?hrlichen Bericht für den Pr?sidenten in anonymisierter Form an, in dem sie die bei ihnen aufgelaufenen F?lle im überblick darstellen. Aus diesen Berichten ergibt sich wenigstens ein ungef?hrer überblick über Art und H?ufigkeit bestimmter Konflikte, Probleme und Problemklassen. Der Vorsitzende des Ethikrates der Max-Planck-Gesellschaft l?dt alle zwei bis drei Jahre die Ombudspersonen der Institute und der Sektionen zu einem Gesamttreffen ein. Unterstützung finden die Ombudsleute bei Bedarf in der Rechtsabteilung der Generalverwaltung.

Die Vertraulichkeit bedeutet einen doppelten Schutz. Einmal ist es der Schutz für die Ratsuchenden oder diejenigen, die auf ein m?gliches wissenschaftliches Fehlverhalten an ihrem Institut oder in ihrer Forschungsgruppe aufmerksam machen wollen. Für sie ist es oftmals von entscheidender Wichtigkeit, dass sie mit der ?u?erung eines Verdachts nicht ihre eigene wissenschaftliche Karriere gef?hrden. Ebenso wichtig ist aber auch der Schutz der Beschuldigten. Denn durchaus nicht jeder Verdacht, der ge?u?ert wird, best?tigt sich bei n?herem Hinsehen. Deshalb ist es Aufgabe der Ombudspersonen, bei Verdachtsf?llen zun?chst die vorl?ufigen Anhaltspunkte zu erheben und zu prüfen. Erst wenn diese Erhebung und Prüfung Anhaltspunkte ergibt, werden gesch?ftsführende Direktorinnen oder Direktoren und gegebenenfalls die Vizepr?sidentin oder der Vizepr?sident der Sektion informiert, die dann über das weitere Verfahren entscheiden.

Wissenschaftliches Fehlverhalten

Die Praxis des Ombudswesens zeigt, dass im Umgang mit den Regeln an den Instituten und in den Forschungsgruppen Gespr?chsbedarf besteht. Dabei sind es in aller Regel nicht gravierende Verst??e im Sinne eines m?glichen Wissenschaftsbetrugs, sondern Konflikte, die sich aus der wissenschaftlichen Praxis ergeben. So haben etwa achtzig Prozent der Gespr?che, die die Ombudspersonen führen, mit Fragen der Autorschaft zu tun, also mit Fragen der fairen Würdigung wissenschaftlicher Beitr?ge Einzelner zu einer bestimmten Ver?ffentlichung. F?lle von Autorschaftskonflikten stellen in aller Regel keine gravierenden Verst??e gegen wissenschaftliche Redlichkeit und systematische Sorgfalt dar. Die wissenschaftliche Qualit?t der jeweiligen Ver?ffentlichung steht dabei so gut wie nie zur Debatte. Lediglich die Bewertung der jeweiligen wissenschaftlichen Beitr?ge muss gekl?rt werden. Deshalb ist dies im Sinne wissenschaftlicher Selbstverwaltung und -kontrolle vorrangig an den jeweiligen Instituten mit Unterstützung der Ombudsperson zu leisten.

Ergeben sich Verdachtsmomente für wissenschaftliches Fehlverhalten, k?nnen – und gegebenenfalls müssen – Ombudspersonen eine Vorprüfung einleiten und durch Einschalten der Gesch?ftsführenden Direktorinnen oder Direktoren und der Sektions-Vizepr?sidenten den Weg für das f?rmliche Verfahren nach der ?Verfahrensordnung bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten“ er?ffnen.

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